Kroatien ist 2023 zwei Schritte gegangen, die es für Unternehmer aus dem DACH-Raum deutlich näher gerückt haben: Am 1. Januar führte das Land den Euro ein und trat dem Schengen-Raum bei. Steuerlich setzt Kroatien auf eine klare Zweiteilung – 10 % Gewinnsteuer für Unternehmen mit weniger als einer Million Euro Umsatz, 18 % darüber. Wer in Kroatien eine Firma gründen möchte, kann den niedrigen Satz damit gezielt für eine schlanke Gesellschaft nutzen.
10 % unter einer Million Umsatz
Maßgeblich für den Steuersatz ist nicht der Gewinn, sondern der Umsatz: Liegen die Erlöse eines Jahres unter 1 Mio. €, beträgt die Gewinnsteuer 10 %, ab dieser Grenze 18 %. Kommunale Zuschläge auf den Gewinn gibt es nicht. Wer in Kroatien eine Firma gründen und dauerhaft unter dieser Grenze bleiben will, profitiert zudem von einer Vereinfachung, die in der EU selten ist: Sie dürfen ihren Gewinn nach dem Zahlungseingang ermitteln, also erst dann versteuern, wenn Kunden tatsächlich bezahlt haben.
Ausschüttungen an Gesellschafter im Ausland unterliegen einer Quellensteuer von 10 %, die sich nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen ermäßigen kann. Zuständig ist die kroatische Steuerverwaltung (Porezna uprava).
Euro und Schengen
Seit dem 1. Januar 2023 bezahlt Kroatien in Euro. Für Unternehmen aus dem Euroraum entfallen damit Wechselkursrisiken und Umrechnungskosten, Preise und Verträge lassen sich ohne Währungsklauseln gestalten. Mit dem Beitritt zu Schengen wurden am selben Tag die Grenzkontrollen zu Slowenien und Ungarn aufgehoben; Warenverkehr und Reisen in Richtung Österreich und Deutschland laufen seither ohne Personenkontrollen.
Für Unternehmen mit Kunden im Tourismus, in der Immobilienwirtschaft oder im Handel entlang der Adria ist das ein spürbarer Vorteil gegenüber den Nachbarländern außerhalb der EU.
d.o.o. oder j.d.o.o.
Kroatien kennt zwei Varianten der Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die klassische d.o.o. ist die übliche Wahl für etablierte Unternehmen; die vereinfachte j.d.o.o. richtet sich an Gründer mit sehr geringem Startkapital:
| Empfehlungd.o.o. | j.d.o.o. | d.d. | |
|---|---|---|---|
| Rechtsform | Gesellschaft mit beschränkter Haftung | Vereinfachte GmbH | Aktiengesellschaft |
| Mindestkapital | 2.500 € | 1 € | 25.000 € |
| Ideal für | Dienstleister, Handel, Tourismus | Kleinstgründungen | Größere Vorhaben, Investoren |
Das Stammkapital der d.o.o. von 2.500 € wird vor der Eintragung auf ein Bankkonto oder bei der staatlichen Finanzagentur FINA eingezahlt und steht der Gesellschaft danach für den Geschäftsbetrieb zur Verfügung.
Umsatzsteuer: 25 %
Die Umsatzsteuer, in Kroatien als Mehrwertsteuer (PDV) erhoben, gehört mit 25 % zu den höchsten der EU. Registrieren muss sich ein Unternehmen, sobald sein Umsatz 60.000 € im Jahr übersteigt; darunter ist die Registrierung freiwillig. Bis zu einem Umsatz von 110.000 € reicht das Unternehmen vierteljährliche Erklärungen ein, darüber monatliche.
Für Dienstleistungen an Unternehmen in anderen EU-Staaten gilt in der Regel das Reverse-Charge-Verfahren; der hohe Satz trifft damit vor allem Leistungen an Endkunden in Kroatien.
Einkommensteuer und digitale Nomaden
Für Gesellschafter und Mitarbeiter mit Wohnsitz in Kroatien gilt eine Einkommensteuer, deren Sätze die Gemeinden innerhalb eines gesetzlichen Rahmens festlegen: zwischen 15 und 23 % für Einkommen bis 60.000 € im Jahr und zwischen 25 und 33 % darüber. Zagreb schöpft den Rahmen mit 23 bzw. 33 % vollständig aus; Gemeinden ohne eigenen Beschluss wenden 20 und 30 % an.
Für Remote Worker aus Staaten außerhalb von EU, EWR und Schweiz hat Kroatien einen eigenen Aufenthaltstitel geschaffen: Digitale Nomaden dürfen bis zu 18 Monate im Land leben, und ihre Einkünfte von ausländischen Arbeitgebern oder aus dem eigenen ausländischen Unternehmen sind von der kroatischen Einkommensteuer befreit. 2026 setzt der Titel ein Einkommen von 3.622,50 € im Monat voraus. Für Bürger aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz gilt die Regelung nicht; sie können sich als EU-Bürger ohnehin frei niederlassen. Die aktuellen Voraussetzungen veröffentlicht das kroatische Innenministerium.
Gründung in fünf Etappen
Um in Kroatien eine Firma zu gründen, sind bei der d.o.o. fünf Etappen zu durchlaufen:
- Steuernummer (OIB): Gesellschafter und Geschäftsführer benötigen eine persönliche Identifikationsnummer, die bei der Steuerverwaltung vergeben wird.
- Gesellschaftsvertrag: Der Vertrag wird notariell beurkundet; für einfache Gründungen steht auch das staatliche Online-System START zur Verfügung.
- Stammkapital: Einzahlung auf ein Bankkonto oder bei der FINA.
- Eintragung: im Gerichtsregister, das die Gesellschaft mit eigener OIB einträgt.
- Steuerliche Anmeldung: Anmeldung bei der Steuerverwaltung und ab 60.000 € Umsatz Registrierung für die Mehrwertsteuer.
Mit vollständigen Unterlagen ist die Gesellschaft in der Regel nach ein bis zwei Wochen eingetragen.
Buchhaltung und Pflichten
Die wichtigsten Pflichten rund um Buchhaltung, Abschluss, Audit und Umsatzsteuer im Überblick – damit Sie von Anfang an wissen, was die laufende Verwaltung umfasst.
| Pflicht | Regelung |
|---|---|
| Buchhaltung | Unter 1 Mio. € Umsatz Gewinnermittlung nach Zahlungseingang möglich |
| Steuererklärung | Körperschaftsteuer-Erklärung binnen vier Monaten nach Ende des Steuerjahres |
| Umsatzsteuer: Registrierung | Ab 60.000 € Jahresumsatz; Satz 25 % |
| Umsatzsteuer: Meldungen | Vierteljährlich bis 110.000 € Umsatz, darüber monatlich |
Stand 2026. Buchhaltung und Meldungen übernehmen in der Regel spezialisierte Buchhalter im Zielland.
Für wen eignet sich Kroatien?
Für wen sich Kroatien eignet, entscheidet vor allem der Umsatz: Am meisten profitieren Unternehmen, die unter der Millionengrenze bleiben und Kunden in der EU oder an der Adria haben.
Geeignet für
- Dienstleister mit weniger als 1 Mio. € Umsatz
- Tourismus- und Immobilienbetriebe an der Adria
- Unternehmer, die Euro und Schengen schätzen
- Kleine Firmen, die nach Zahlungseingang versteuern möchten
Weniger geeignet für
- Umsatzstarke Händler mit geringer Marge
- Unternehmen, die eine Quellensteuer von 0 % erwarten
- Gründer, die ohne kroatische Steuernummer starten wollen
- Konzerne mit Fokus auf asiatische Märkte
Mit 10 % auf jeden Gewinn und ohne Umsatzgrenze ist Bulgarien die naheliegende Alternative; wer den Euro mit einer niedrigen Steuer in Mitteleuropa verbinden will, kann auch die Slowakei mit 10 % bis 100.000 € Erlösen prüfen. Die Übersicht aller Standorte und der Steuervergleich ordnen Kroatien ein; die konkrete Struktur gehört ins Erstgespräch.






